Friday, August 24, 2007

Kurzbesuch an der Uni

In Ahmedabad haben wir uns mal an der Uni umgeschaut. Der erste Einruck: Sehr huebscher Campus, hilfreiche Mitarbeiter und chaotische Organisation. Wir haben Moritz und Basti, die im vorigen Semester dort studiert haben, getroffen und das erste Mal das Mensaessen gekostet: Reis mit Gemuesematsch und irre scharfer Sosse. Lecker, wie eigentlich fast immer in Indien.


Sport kann man auch gut auf dem Campus treiben: Tennis, Fussball, Badminton und ein eigenes Fitnessstudio stehen den Studenten zur Verfuegung. Da die Studenten hier wenig schlafen und viel arbeiten, kommen sie manchmal erst spaetabends dazu. Als wir gegen 24 Uhr den Campus verlassen, spielen ein paar Studenten Tennis, kicken und rennen auf den Laufbaendern. Komischer Rhythmus.

Einen Vorgeschmack auf meinen Geburtstag habe ich auch schon bekommen. Hier ist Sitte, dass dem Geburtstagskind der Arsch versohlt wird, dass es nur so knallt. Man wird an Armen und Beinen gepackt, hochgehalten und dann den klappernden FlipFlops oder auch festeren Schuhen zum Frass vorgeworfen. Danach knallt einem der "Guest of Honor" ein Stueck Torte ins Gesicht. Zum Abschluss muss das Geburtstagskind eine glorreiche Rede halten. Alles ziemlich albern, aber Sitte ist nunmal Sitte.



Hier noch ein Foto aus Jaipur. Kinder freuen sich immer tierisch, wenn man sich mit ihnen ablichten laesst.




Der "Hennes" von Indien.

Auf dem Amt

Entschuldigt, dass ich laengere Zeit nichts geschrieben habe. Es ist leider manchmal schwierig, ein Internetcafe mit einigermassen schneller Verbindung zu finden.


Nach unserem sehr entspannten Aufenthalt in Udaipur sind wir Richtung Ahmedabad aufgebrochen. Die Fahrt dorthin hat uns der Staat Indien eingebrockt. Wer ein Visum mit einer Gueltigkeit von mehr als 180 Tagen hat, muss sich registrieren lassen. Herzlichen Glueckwunsch kann man nur sagen, wenn man mit der indischen Buerokratie zu tun hat. In Ahmedabad darf man sich auf das Chief Police Commissioners Office freuen.


An der Toreinfahrt wird man gleich von Polizisten mit Maschinengeweheren empfangen. Auch sonst ist die Polizei hier anders ausgeruestet als in Deutschland. Die Polizisten patroullieren mit hoelzernen Schlagstoecken in der Hand durch die Strassen. Die Verkehrspolizei laeuft mit Schraubenziehern bewaffnet durch die Strassen, um boesen Fahrradrikshafahrern die Reifen zu zerstechen (was sie dann gegen ein kleines Trinkgeld natuerlich doch nicht tun). Meistens sitzen oder stehen Polizisten aber nur gelangweilt herum, rauchen oder unterhalten sich.


Wenn man die Einreisebehoerde der Polizei betritt, ist es wie so oft in Indien: ein Mensch arbeitet, drei oder vier stehen um ihn herum, geben lautstark Ratschlaege und diskutieren, was der eine dort gerade macht. Immerhin: So sind weniger Leute arbeitslos.



Der Aufenthaltsraum ist spartanisch eingerichtet. Auf einem Pappkarton thront ein riesiger Fernseher. Um die langen Wartezeiten zu ueberbruecken koennte man sich also zwischendurch ein Cricketspiel anschauen (Cricket ist hier DER Sport), einen der drei Astro-TV-Kanaele einschalten oder sich an den Bollywood-Sing-Tanz-Einlagen erfreuen. Wie schade nur, dass der Fernseher mit dem Ruecken zu den Wartenden steht und deshalb nur die Mitarbeiter und der Hausmeister etwas davon haben.


Nachdem wir einige Zeit gewartet haben, schleppt sich ein Mitarbeiter zu uns und bittet uns zu sich. Er fragt mich, was ich denn hier ueberhaupt wolle. Jetzt wird es schwierig. Denn ich kann ihn nicht davon ueberzeugen, dass sechs Monate mehr als 180 Tage sind. Mehrmals addiert er die Wochen und Tage auf einem Schmierzettel und kommt dann zu dem Ergebnis: Alles durchstreichen. Schliesslich reicht er mir einen vergilbten Hefter voller brauner Flecken, in den ich viermal das gleiche eintragen muss. Kopieren? Geht nicht. Ausserdem braucht man sechs Passfotos.



Sowieso braucht man hier staendig Passfotos: Ob man seinen Mobilfunkvertrag beantragt, in den Sportclub will oder sich fuer Unikurse anmeldet: Unter zwei Passbildern geht gar nichts. Ich stelle mir vor, wie sie sich riesige Fotocollagen zusammenbasteln und sich ueber unsere komischen Automatenfotos lustig machen.


Damit es nicht zu leicht fuer uns wird, duerfen wir nicht am selben Tag mit den ausgefuellten Unterlagen wiederkommen. Einem Mitarbeiter faellt auf einmal ein: "Aem, we have holidays today afternoon." Da aller guten Dinge aber drei sind, muessen wir auch an dem darauf folgenden Tag noch einmal wiederkommen. Es steht ein "Interview" mit dem Chief Police Commissioner an. Nachdem wir zwei Stunden gewartet haben, haben wir die Ehre uns stillschweigend vor ihm hinzusetzen und uns anzusehen, wie der Mann mit den rot gefaerbten Haaren unsere Unterlagen lustlos unterschreibt und uns mit einer majestaetischen Geste aus dem Raum hinauswinkt - ohne ein Wort zu sagen.

Saturday, August 18, 2007

Udaipur / Unterwegs sein



Udaipur
Can und ich sind mittlerweile in Udaipur angekommen: Eine wahre Oase der Ruhe im Vergleich zu unseren vorigen Stationen Delhi, Agra und Jaipur. Wobei Can auch jetzt noch an jeder Ecke angesprochen wird. "Ahh, you are filmstar?". "Ahh, very nice arms." Langsam wird er sich ueberlegen muessen, ob nicht die grosse Karriere in Bollywood (in Mumbai) auf ihn wartet.
Hier in Udaipur gibt es mehrere sehr schoene Seen, die umrahmt werden von kleinen Bergen. An den Seen liegen einige der schoensten Hotels in ganz Indien. Kein Wunder also, dass Udaipur Drehort fuer den Bond-Klassiker "Octopussy" war. Vom Sonnenuntergang haben wir heute leider nur ein bisschen mitbekommen, weil wir von der Busfahrt noch so geschlaucht waren, dass wir ein Nickerchen eingelegt hatten. Jedoch auch die letzten paar Minuten des Sonnenuntergangs waren atemberaubend. Morgen Abend werden wir noch mal die Gelegenheit haben, uns das Schauspiel in voller Laenge anzuschauen.

Unterwegs sein
Wer in Indien unterwegs ist, kommt um die Riksha nich herum. Fuer kurze Wege empfiehlt sich die Fahrradriksha, auf der sich vorne abgemagerte Maenner irre abstrampeln, waehrend hinten zwei Fahrgaeste Platz haben. Am liebsten moechte man manchmal absteigen und schieben helfen. So eine Kraftanstrengung ist es schon bei kleinsten Steigungen. Mit einem ordentlichen Trinkgeld ist den Leuten aber sich noch besser geholfen.

Die schnellere und lautere Variante ist die Auto-Riksha. Man startet sie wie einen Rasenmaeher mit einem kraeftigen Zug an einem Hebel. Die Lautstaerke erinnert auch an einen Rasenmaeher und wird nur durch das staendige Hupen unterbrochen. Ob man ueberholt, ausweicht, abbiegt - man hupt als Rikshafahrer immer. Wenn man in seinem Guest-House ist und das Fenster aufmacht, hoert es sich immer an als waere Indien gerade Cricketweltmeister geworden - solch eine Lautstaerke ist das.

Auf der Strasse regiert das Recht des Staerkeren. Fahrrad-Rikshas weichen Autorikshas aus; Auto-Rikshas richtigen Autos und die wiederum den Bussen. Die Busse sind besonders in Delhi sehr gefuerchtet. In den letzten Wochen hat es alleine in Delhi Dutzende Unfaelle gegeben, bei denen Busse Rikshafahrerer oder Fahrradfahrer (ja, auch solche Verrueckte gibt es hier) totgefahren haben - ein Seite1-Thema in allen Tageszeitungen. Auch bei einer unserer Fahrten haben wir mal nen Fahrradfahrer umgemangelt. Der Fahrer hat nur kurz rausgeguckt und ist dann weitergefahren. Es ist jedoch im Allgemeinen ein Wunder, dass nicht mehr passiert auf diesen Strassen.

Wednesday, August 15, 2007

Ankunft in Delhi

Viele hatten mir schon vorher gesagt, dass Delhi nicht unbedingt die beste Stadt ist, um die Indientour zu starten. Hier ist es wesentlich lauter, es gibt noch mehr Menschen, die dir etwas andrehen wollen und im Sommer liegt die Luftfeuchtigkeit bei 90 Prozent (bei 37 Grad Celsius). Also, welcome in India, mister.

Das Abenteuer beginnt am Flughafen. Denn hier geht der Nepp los. Es gibt Dutzende Taxianbieter, die die Touristen zu einem "very good hotel, very good price" fahren wollen. Natuerlich gehoert das Hotel eigentlich einem Freund, der dem Taxifahrer dann eine ordentliche Kommission zahlt. Wer im Reisefuehrer blaettert, weiss das und bucht deshalb ein PrePaid-Taxi, um so auch ueberhoehte Preise zu vermeiden. Mein Taxifahrer wirkt sehr symphatisch und so unterhalten wir uns gut ueber Delhi, Deutschland und einige Pilger, die durch die bruetende Mittagshitze an uns vorbeischleichen. Sie sind in organgefarbenen Gewaendern mehrere hundert Kilometer von zu Hause unterwegs, um Wasser aus dem Ganges zu holen.

Als wir in die Innenstadt fahren, weiss mein Fahrer auf einmal nicht, wo mein vorreserviertes Guest-House ist. Ich habe ihm die Adresse eines Guest-Houses gegeben, das direkt nebenan liegt. Er meint, wir sollten lieber mal in einem "Tourist-Office" nachfragen. Widerstand ist zwecklos. In dem Office empfaengt mich ein junger Mann in einem kleinen strahlend-weissen Raum. Ausser einem massiven Holztisch und seinem Computer gibts hier nix. Er fragt nach meinem Hotel, waehlt eine Nummer und haelt mir den Hoerer hin.
Achtung Schauspieleinlage: An der anderen Seite meldet sich der vermeintliche Hotelmanager und teilt mir mit vielen Ohs und Ahs mit, dass mein Guest-House voll sei. Es haetten 70 Leute (das Guest-House hat ca. 30 Zimmer) den Flieger nicht bekommen und muessten deshalb eine Nacht laenger bleiben. "I am very sorry, Sir."

Spaetestens jetzt ist klar, dass ich gleich bei einem Freund des Freundes eines Freundes des Taxifahrers landen werde. Nachdem mir auch der Tourist-Office-Manager sein groesstes Beileid ausgesprochen hat, empfiehlt er ein Hotel. Er hat meinen Reisefuehrer durchgeblaettert und empfiehlt mir dankenswerterweise noch: " Be careful, there is a lot of people that want to bring you not to the right hotel" und zeigt dabei in den Reisefuehrer. So freundlich koennen sie sein, die Inder.

Als ich wieder im Taxi bin, sage ich dem Fahrer, er solle mich bitte dennoch zu dem Hotel fahren. Kurze Zeit spaeter - nach einem durchgeschwitzten Hemd - haelt er. Natuerlich irgendwo anders. "Come, sir, is good hotel of a friend of mine" und verschwindet mit meinem Rucksack im Eingang. Da muss ich jetzt durch. Nachdem ich mir kurz ein Zimmer angeschaut habe und der Hotelbesitzer nun gerade meine Uebernachtung klar macht, nutze ich einen kleinen Moment der Aufmerksamkeit, packe mir meinen Rucksack und eile zur Ausgangstuer. "If the other hotel ist really full, I will come back", sage ich im Hinausgehen - und komme nicht wieder zurueck.