Entschuldigt, dass ich laengere Zeit nichts geschrieben habe. Es ist leider manchmal schwierig, ein Internetcafe mit einigermassen schneller Verbindung zu finden.
Nach unserem sehr entspannten Aufenthalt in Udaipur sind wir Richtung Ahmedabad aufgebrochen. Die Fahrt dorthin hat uns der Staat Indien eingebrockt. Wer ein Visum mit einer Gueltigkeit von mehr als 180 Tagen hat, muss sich registrieren lassen. Herzlichen Glueckwunsch kann man nur sagen, wenn man mit der indischen Buerokratie zu tun hat. In Ahmedabad darf man sich auf das Chief Police Commissioners Office freuen.
An der Toreinfahrt wird man gleich von Polizisten mit Maschinengeweheren empfangen. Auch sonst ist die Polizei hier anders ausgeruestet als in Deutschland. Die Polizisten patroullieren mit hoelzernen Schlagstoecken in der Hand durch die Strassen. Die Verkehrspolizei laeuft mit Schraubenziehern bewaffnet durch die Strassen, um boesen Fahrradrikshafahrern die Reifen zu zerstechen (was sie dann gegen ein kleines Trinkgeld natuerlich doch nicht tun). Meistens sitzen oder stehen Polizisten aber nur gelangweilt herum, rauchen oder unterhalten sich.
Wenn man die Einreisebehoerde der Polizei betritt, ist es wie so oft in Indien: ein Mensch arbeitet, drei oder vier stehen um ihn herum, geben lautstark Ratschlaege und diskutieren, was der eine dort gerade macht. Immerhin: So sind weniger Leute arbeitslos.
Der Aufenthaltsraum ist spartanisch eingerichtet. Auf einem Pappkarton thront ein riesiger Fernseher. Um die langen Wartezeiten zu ueberbruecken koennte man sich also zwischendurch ein Cricketspiel anschauen (Cricket ist hier DER Sport), einen der drei Astro-TV-Kanaele einschalten oder sich an den Bollywood-Sing-Tanz-Einlagen erfreuen. Wie schade nur, dass der Fernseher mit dem Ruecken zu den Wartenden steht und deshalb nur die Mitarbeiter und der Hausmeister etwas davon haben.
Nachdem wir einige Zeit gewartet haben, schleppt sich ein Mitarbeiter zu uns und bittet uns zu sich. Er fragt mich, was ich denn hier ueberhaupt wolle. Jetzt wird es schwierig. Denn ich kann ihn nicht davon ueberzeugen, dass sechs Monate mehr als 180 Tage sind. Mehrmals addiert er die Wochen und Tage auf einem Schmierzettel und kommt dann zu dem Ergebnis: Alles durchstreichen. Schliesslich reicht er mir einen vergilbten Hefter voller brauner Flecken, in den ich viermal das gleiche eintragen muss. Kopieren? Geht nicht. Ausserdem braucht man sechs Passfotos.
Sowieso braucht man hier staendig Passfotos: Ob man seinen Mobilfunkvertrag beantragt, in den Sportclub will oder sich fuer Unikurse anmeldet: Unter zwei Passbildern geht gar nichts. Ich stelle mir vor, wie sie sich riesige Fotocollagen zusammenbasteln und sich ueber unsere komischen Automatenfotos lustig machen.
Damit es nicht zu leicht fuer uns wird, duerfen wir nicht am selben Tag mit den ausgefuellten Unterlagen wiederkommen. Einem Mitarbeiter faellt auf einmal ein: "Aem, we have holidays today afternoon." Da aller guten Dinge aber drei sind, muessen wir auch an dem darauf folgenden Tag noch einmal wiederkommen. Es steht ein "Interview" mit dem Chief Police Commissioner an. Nachdem wir zwei Stunden gewartet haben, haben wir die Ehre uns stillschweigend vor ihm hinzusetzen und uns anzusehen, wie der Mann mit den rot gefaerbten Haaren unsere Unterlagen lustlos unterschreibt und uns mit einer majestaetischen Geste aus dem Raum hinauswinkt - ohne ein Wort zu sagen.