Sunday, October 7, 2007

Indischer Huprhythmus meets Steinschlag

Der Himalaya ist mit Sicherheit das Highlight unserer Reise. Wir haben uns in Delhi nach langem Hin- und Herueberlegen ein Auto mit Fahrer gemietet. Zu fliegen waere sehr teuer gewesen. Haetten wir den Bus genommen, haetten wir nach jeder 8-stuendigen Bustour einen halben Tag gebraucht, um uns davon zu erholen. Bei den Busfahrten fuehlt man sich wegen der vielen Schlagloecher wie ein Astronaut: die Stossdaempfer katapultieren einen alle paar Sekunden aufs Neue in die Luft – man ist wie schwerelos.

Das Auto ist also ein guter Mittelweg. Unser Fahrer auf der Tour ist Parwan. Parwan ist 24 Jahre alt und natuerlich schon verheiratet. Mit dem Heiraten ist es in Indien so: Auf den Doerfern “vermitteln” die Eltern weiterhin haeufig ihre Kinder. No choice! Wenn man Glueck hat, schicken die Eltern vorher ein paar Fotos von der moeglichen Braut/dem moeglichen Braeutigam. Dann koennen die beiden noch zustimmen. Oft ist es dann so, dass sich die beiden erst an dem Tag von Angesicht zu Angesicht gegenenueberstehen, an dem sie sich verloben. Wer in einer moderneren Familie aufwaechst, hat die Wahl - sollte sich aber beeilen. Wenn eine Frau mit etwa 24 und der Mann mit circa 30 noch keinen Partner fuers Leben gefunden hat, dann suchen die Eltern eben jemanden.

Wenn Parwan Auto faehrt, dann hupt er gerne im Rhythmus zur indischen Musik. Ab und zu macht er waehrend der Fahrt seine Autotuer auf, um hinauszuspucken. Er koennte auch das Fenster herunterkurbeln, doch dann koennten seine Spuckreste einen rot-braunen Streifen hinterlassen. Denn der Grund fuer seine andauernden Spuckattacken ist der Kautabak in seinem Mund. Das Zeug sieht aus wie feiner, grauer Kies und schmeckt wie eine Mischung aus Sand, Mehl und Pfefferminzbonbons. Und es macht einen hellwach. Ich habe es einmal probiert. Wenn man eine Packung davon in den Mund fuellt, fuehlt man sich, als haette man einen fuenffachen Espresso getrunken: wie auf Drogen und hellwach. Wenn man die Tabakspucke herunterschluckt, kriegt man Magenschmerzen und Schluckauf. Deshalb laesst man das lieber. Parwan haut sich jedenfalls jeden Tag 20 Packungen Kautabak rein. “Ich muss ja wach bleiben”, sagt er und lacht dabei.

Es ist gut, dass er staendig hellwach ist. Denn wenn sich das Auto im Himalaya immer weiter serpentinenartig in die Hoehe schraubt, muss man gut aufpassen. Ueberholen ist hier Pflicht – egal, ob man fuenf Laster vor sich hat oder die naechste Kurve nicht mehr weit ist. Einen kleinen Eindruck (das ist noch sehr harmlos), wie das aussieht, liefern die ersten paar Sekunden dieser beiden Videos:

http://www.youtube.com/watch?v=wwO1uUMzniE

http://www.youtube.com/watch?v=1v2UfspiV-o

Auch wenn es haeufig eng und brenzlig wird – irgendwie passt es dann doch. Gott Shiva wird’s schon richten. Und so ist man nach kurzer Zeit auch dann voellig unbeeindruckt, wenn man durch einen kilometerlangen Tunnel faehrt, der nicht beleuchtet ist. Autos ohne Licht? Wieso sollte uns das noch schocken?! Ein wenig mulmig wurde uns dann aber doch, als fast ein Steinschlag auf uns herniederging. Wir waren alle ein wenig am Doesen, als wir ploetzlich nicht mehr weiterfahren konnten. Parwan stieg aus und fragte, was los sei: Etwa eine halbe Minute vorher waren kurz vor uns ein paar maechtige Steine auf die Strasse gekracht. Glueck gehabt!


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