Friday, November 2, 2007

Wolke meets Wolke meets Wolke meets Wolke

Vielleicht hatte ich bislang einfach immer nur Pech mit dem Wetter oder einfach keinen Fensterplatz. Vielleicht war ich auch nur sentimental, als ich diese Bilder auf dem Flug von Delhi nach Ahmedabad gemacht habe. Wie dem auch sei. Ich fand den Anblick atemberaubend. Urteilt selbst!

Fliegen mit den Sikhs

Auch die Strassenverhaeltnisse nach Manali waren nicht besser als nach Shimla: enge Spuren, eine Kurve nach der anderen und immer wieder Steine auf der Strasse. Wenn man nicht auf die Fahrspur schaut, stellt man aber erstaunt fest: Hier sieht es aus wie in den Alpen. Wir fahren auf etwa 2000 Metern Hoehe, vorbei an kleinen Wasserfaellen und Laubwaeldern, ueberqueren Flusslaeufe und Staudaemme. Die Haeuser sind teilweise aus Holz gebaut, teilweise stehen hier Fachwerkgebaeude. Als wir nach acht Stunden in Manali ankommen, fletzen wir uns erstmal in die Hollywoodschaukel auf unserem Balkon und geniessen den Ausblick. Die Suche nach unserer Unterkunft war nicht ganz leicht. Zwar ist die Auswahl riesig, da gerade keine Saison ist. Doch was man angeboten bekommt, ist wie so oft sehr abenteuerlich. Mir ist bis heute nicht klar geworden, warum es selbst in etwas besseren Gaestehaeusern keine sauberen Bettlaken gibt. Das Inlay, in dem ich schlafe, ist deshalb mein bester Freund auf der Reise geworden. Saugen oder fegen muss man in den Zimmern auch nicht, finden viele Gaestehausbesitzer. Ich bin ja kein Reinlichkeitsfetischist, der bei jedem Staubkorn aufschreit, aber so ein bisschen Sauberkeit tut doch ganz gut.

Sowieso Sauberkeit. Das ist leider nicht so ganz der Fall hier. Auch wenn man an atemberaubenden Landschaften im Himalaya vorbeifaehrt, sieht man immer wieder riesige Muellkippen. Es faengt mit einer Plastikflasche an, dann kommen schnell die naechsten. Parwan hat mich im Auto ganz verstaendnislos angeschaut, als ich meine leere Flasche nicht aus dem Auto werfen wollte. “Don’t worry, Sir! No problem!”

Ein Problem scheint es dann aber abends fuer ihn zu sein, uns nach Old Manali zu fahren. Wir haben gehoert, dass es dort ein paar nette Cafes und Bars geben soll. Parwan findet, dass da zu viele boese Menschen sind. Wer das ist und was die machen, will oder kann er uns nicht sagen. Nach langem Hin und Her faehrt er uns dann doch. Old Manali besteht aus einer engen Gasse, die sich den Berg hochschlaengelt. Links und rechts sind kleine Stoff- und Kleidungsshops und mittendrin ein paar Cafes und Restaurants. Wir setzen uns in die gemuetlichen Korbstuehle in einem kleinen CafĂ©. In einem Nebenraum sitzen und liegen Anfang-Zwanziger mit Leinenhemden und -hosen, Piercings und Schals. Can fuehlt sich mit seiner Markenjeans und Tanktop unwohl unter diesen Extremalternativos. Manche singen zur schrabbeligen Gitarrenmusik, manche doesen vor sich hin – ein Joint geht rum. Die Gruppe ist aus Israel und zum Abschalten hier. Nach zwei Jahren Militaerdienst kiffen sich viele ein gutes Stueck dieser Zeit wieder aus ihrem Gedaechtnis. Nachdem wir eine Weile den nur bedingt ansprechbaren Leuten beim Doesen zugeschaut haben, faehrt auf einmal Parwan mit dem Wagen vor. Mit seinem Teddybaerengesicht schaut er uns an und fragt: “Everything all right, Sir?” “No problem?” Die Alternativos gucken uns komisch an und fragen sich wohl, was das fuer Schnoesel sind, die ‘nen Fahrer haben.

Am naechsten Morgen brechen wir auf, um zu fliegen. Genauer gesagt wollen wir Paragliden. Vor Indien haette ich das noch fuer die Riesenschnapsidee gehalten. Aber wenn man schon mal die Gelegenheit hat, sich fuer nen Appel und nen Ei in die Tiefe zu stuerzen. Warum nicht? Erdem haelt Can und mich fuer lebensmuede. Wir koennen damit leben. Also kaempft sich an diesem Morgern unser Wagen ueber schlammige Wege mit Schlagloechern den Berg hinauf. Oben angekommen lernen wir unsere Piloten kennen. Chatil (oder so, diese indischen Namen kann man sich einfach nicht merken) ist mein Pilot. Er ist 18 Jahre alt, reicht mir bis zum Kinn und wiegt geschaetzte 60 Kilo. Na ja, die werden schon wissen, was sie tun. Da die Gondel leider kaputt ist, muessen wir den Flugberg hinaufklettern. Voellig schweissgebadet kommen Can und ich oben an. Vor uns stuerzt sich eine Gruppe von Sikhs in die Tiefe. Die Jungs ziehen noch nicht mal zum Fliegen ihren Umhang aus und behalten ihren Dolch bei sich. Und so schweben weissgewandete Glaeubige vor uns ins Tal. Bis hierhin hatte ich keine Angst, doch jetzt kurz vor dem Absprung wird mir doch mulmig.

Dann geht es los. Losrennen, Schirm hochziehen, rennen, rennen. Irgendwie kommen wir nicht richtig von der Stelle. Ich bleibe mit einem Bein im hohen Gras haengen. Dann endlich gleiten – und geniessen. Der Anblick in die Tiefe ist atemberaubend. So fuehlen sich also Voegel. Unten angekommen bin ich richtig aufgedreht, aber auch ein wenig enttaeuscht. Denn statt der fuenf bis 20 Minuten hat der Flug gerade mal 3 ½ Minuten gedauert. Eigentlich kein grosses Ding. Aber irgendwie haben Can und ich uns dann doch so verarscht gefuehlt, dass wir ein wenig Geld zuruckhaben wollten. Also verhandeln. Wer mit Indern verhandelt, der braucht Geduld und muss standhaft bleiben. Wie gut, dass wir nun schon laenger im Lande sind und uns so auch nach einer Viertel Stunde nicht geschlagen geben. Es zahlt sich aus.

Auch die Trekkingtouren, die wir unternehmen, zahlen sich voll aus. Bis zu 3500 Meter hoch sind wir gekrackselt. Bis zur Indienreise war ich ja der absolute Meer-Mensch. Auch wenn das Wandern in Schottland im letzten Jahr schoen war. Ausdauernd geniessen konnte ich Bergtouren bislang nicht. Das hat sich geaendert. Mehrere Stunden lang klettern wir den Hang hinauf – und es ist einfach nur schoen. Die Ruhe ist toll.

Tuesday, October 16, 2007

Alkohol auf dem Berg


Auf unserem Weg nach Manali machen wir an einem Rastplatz halt, von dem man aus einen schoenen Ausblick ueber die Gegend haben soll. Wie bloed nur, dass es irre neblig ist und man nichts sieht. Egal. Da wir uns die Beine vertreten wollen, steigen wir aus dem Auto aus und laufen ein wenig herum. Schon nach kurzer Zeit werden wir von ein paar jungen Indern angesprochen. Das ist eigentlich nichts Aussergewoehnliches. Hier wird man staendig angesprochen. Das Erstaunliche dabei ist immer: Zunaechst bedraengen einen die Leute, als wollten sie einem Loecher in den Bauch fragen. Nach "Where are you from?" und "What's your name?" drehen sie sich aber einfach ploetzlich um und gehen weiter, als waere man Luft. Komisch.

Die Inder, die wir hier auf dem Berg treffen sind auf jeden Fall nicht so drauf. Wir unterhalten uns ueber Fussball, die Gegend und Deutschland. Die Stimmung unter den Indern ist mehr als ausgelassen - sie sind naemlich sturzbreit. Indien ist wirklich ein Land der krassen Gegensaetze. Denn Alkohol trinken die Leute hier nur selten, wenn ueberhaupt. In Bundesstaaten wie Gujarat, wo auch meine Uni ist, ist Alkohol sogar verboten (mehr dazu demnaechst). Wenn die Leute jedoch was trinken, dann hauen sie sich so richtig die Hacke voll. So auch diese Jungs, die gerade Ferien haben und einen Ausflug machen. Da Inder gerne teilen, kriegen wir natuerlich auch einen Schluck ab - und dann ne ganze Flasche. Da es gerade 15 Uhr ist, finde ich einen Schluck ausreichend, um meiner Geselligkeit Ausdruck zu verleihen. Das reicht den Jungs aber nicht. Auf einmal fangen sie an, uns das Bier aufzudraengen, fangen an zu grabschen (!) und zu groelen. Schlussendlich bleibt uns nur die Flucht ins Auto. Als ich eingestiegen bin, mache ich lieber den Tuerknopf herunter. Gut so, denn diese Jungs sind hartnaeckig, kleben an der Fensterscheibe, versuchen die Tuer zu oeffnen. Parwan gibt Gas, wir sind weg.





Links: Sicher im Auto vor dem irren Blick.

Sunday, October 7, 2007

Gegen die Affenbande

Auf unserer Himalaya-Tour steuern wir zwei Staedte an. Shimla und Manali. Wir wuerden gerne danach noch weiter in den Norden, um in der Gegend von Leh und Ladakh auf den Hochplateaus zu wandern. Leider fehlt uns die Zeit. Also Shimla und Manali.

Shimla ist nur Durchgangsstation fuer uns, weil es einfach zu touristisch hier ist. Frischverheiratete indische Ehepaare geniessen hier ein paar schoene Tage, wir machen nur eine kleine Wanderung. Sie fuehrt uns zum “Jakhu”-Tempel, dem Affen-Tempel. Nach einem Trip durch den nebligen Wald kommen wir an. Als wir Verkaeufer sehen, die krumme Wanderstoecke verkaufen, denken wir gleich an Touristennepp. Haetten wir mal einen genommen! Der Tempel heisst nicht umsonst Affentempel. Der urspruengliche Name ruehrt daher, dass hier die Fussabdrucke von Hanuman zu sehen sein sollen. Hanuman war der Anfuehrer einer Affenarmee, die der Gottheitsinkarnation Rama beim Kampf gegen einen Daemon half. Heute traegt der Tempel aber auch deshalb den Namen, weil es von Affen nur so wimmelt. “Ach wie niedlich, diese kleinen Racker”, denkt man sich und moechte am liebsten gleich einen in den Rucksack stecken; als Kuscheltier fuer zu Hause. Die Affen mit den krummen Stoecken zu verjagen, kommt fuer uns gar nicht in die Tuete. Ich hatte vorher zwar gelesen, dass die Affen gerne mal ein bisschen Essen mopsen oder sich etwas aus dem Rucksack stiebitzen. Aber was soll man sich so aufregen: Einfach schnell alles eingepackt.


Als ich einen Moment unaufmerksam bin, passiert dann aber etwas womit ich ueberhaupt nicht gerechnet hatte. Das Muttertier, dessen Kind wir gerade noch als so suess in Augenschein genommen hatten, laesst ihr Kleines herunterplumpsen, springt auf mich zu und schnappt mir die Brille von der Nase. Ohne dass es mich sonst im Gesicht beruehert, ohne Kratzer. Was nun? Gluecklicherweise hat sich einer der Shimlaner darauf spezialisert, dummen Westlern wie mir ihre Gegenstaende zuruckzuholen. Er tauscht mit dem Affen Nuesse gegen Brille. Ich tausche dann 20 Rupees gegen meine Brille ein. Waere auch zu aergerlich gewesen, wenn ich mir schon wieder eine neue Brille haette kaufen muessen. In Ahmedabad war meine vorige einfach so in der Mitte zerbrochen. Kostenpunkt fuer die neue Brille: 22 Euro. Dauer von der Bestellung bis zum ersten Anprobieren: 24 Stunden. Das nenne ich mal Dienstleistungsgesellschaft. Auf dem Weg zurueck muessen wir uns gegen einen der Racker mit blutunterlaufenen Augen wehren. Wie gut das Can – vielleicht schon trainiert durch die Vorbereitung auf seine zukuenftige Karriere? – einen kraeftigen Karatetritt gegen den Affen einsetzt. Das ist auch das freche Vieh beeindruckt. Thank you, Tom Cruise!


Ich mit neuer Brille in der Riksha mit Erdem und Can.

Indischer Huprhythmus meets Steinschlag

Der Himalaya ist mit Sicherheit das Highlight unserer Reise. Wir haben uns in Delhi nach langem Hin- und Herueberlegen ein Auto mit Fahrer gemietet. Zu fliegen waere sehr teuer gewesen. Haetten wir den Bus genommen, haetten wir nach jeder 8-stuendigen Bustour einen halben Tag gebraucht, um uns davon zu erholen. Bei den Busfahrten fuehlt man sich wegen der vielen Schlagloecher wie ein Astronaut: die Stossdaempfer katapultieren einen alle paar Sekunden aufs Neue in die Luft – man ist wie schwerelos.

Das Auto ist also ein guter Mittelweg. Unser Fahrer auf der Tour ist Parwan. Parwan ist 24 Jahre alt und natuerlich schon verheiratet. Mit dem Heiraten ist es in Indien so: Auf den Doerfern “vermitteln” die Eltern weiterhin haeufig ihre Kinder. No choice! Wenn man Glueck hat, schicken die Eltern vorher ein paar Fotos von der moeglichen Braut/dem moeglichen Braeutigam. Dann koennen die beiden noch zustimmen. Oft ist es dann so, dass sich die beiden erst an dem Tag von Angesicht zu Angesicht gegenenueberstehen, an dem sie sich verloben. Wer in einer moderneren Familie aufwaechst, hat die Wahl - sollte sich aber beeilen. Wenn eine Frau mit etwa 24 und der Mann mit circa 30 noch keinen Partner fuers Leben gefunden hat, dann suchen die Eltern eben jemanden.

Wenn Parwan Auto faehrt, dann hupt er gerne im Rhythmus zur indischen Musik. Ab und zu macht er waehrend der Fahrt seine Autotuer auf, um hinauszuspucken. Er koennte auch das Fenster herunterkurbeln, doch dann koennten seine Spuckreste einen rot-braunen Streifen hinterlassen. Denn der Grund fuer seine andauernden Spuckattacken ist der Kautabak in seinem Mund. Das Zeug sieht aus wie feiner, grauer Kies und schmeckt wie eine Mischung aus Sand, Mehl und Pfefferminzbonbons. Und es macht einen hellwach. Ich habe es einmal probiert. Wenn man eine Packung davon in den Mund fuellt, fuehlt man sich, als haette man einen fuenffachen Espresso getrunken: wie auf Drogen und hellwach. Wenn man die Tabakspucke herunterschluckt, kriegt man Magenschmerzen und Schluckauf. Deshalb laesst man das lieber. Parwan haut sich jedenfalls jeden Tag 20 Packungen Kautabak rein. “Ich muss ja wach bleiben”, sagt er und lacht dabei.

Es ist gut, dass er staendig hellwach ist. Denn wenn sich das Auto im Himalaya immer weiter serpentinenartig in die Hoehe schraubt, muss man gut aufpassen. Ueberholen ist hier Pflicht – egal, ob man fuenf Laster vor sich hat oder die naechste Kurve nicht mehr weit ist. Einen kleinen Eindruck (das ist noch sehr harmlos), wie das aussieht, liefern die ersten paar Sekunden dieser beiden Videos:

http://www.youtube.com/watch?v=wwO1uUMzniE

http://www.youtube.com/watch?v=1v2UfspiV-o

Auch wenn es haeufig eng und brenzlig wird – irgendwie passt es dann doch. Gott Shiva wird’s schon richten. Und so ist man nach kurzer Zeit auch dann voellig unbeeindruckt, wenn man durch einen kilometerlangen Tunnel faehrt, der nicht beleuchtet ist. Autos ohne Licht? Wieso sollte uns das noch schocken?! Ein wenig mulmig wurde uns dann aber doch, als fast ein Steinschlag auf uns herniederging. Wir waren alle ein wenig am Doesen, als wir ploetzlich nicht mehr weiterfahren konnten. Parwan stieg aus und fragte, was los sei: Etwa eine halbe Minute vorher waren kurz vor uns ein paar maechtige Steine auf die Strasse gekracht. Glueck gehabt!


Friday, September 7, 2007

Tom Cruise


Als hellhaeutiger Mensch wird man hier - wie schon unten mal angemerkt - haeufig sehr intensiv unter die Lupe genommen. Die Leute starren einen an wie einen Ausserirdischen, minutenlang. Meinem Mitfahrer Can (links im Bild; rechts ist Erdem, der zweite deutsche Austauschstunden, der in Delhi zu uns gestossen ist) wird fast tagtaeglich gesagt, er sehe aus wie Tom Cruise und solle deshalb unbedingt nach Bollywood gehen. Bei mir hat es bislang nur fuer einen Vergleich mit Harry Potter gereicht - ausbaufaehig sage ich mal. Ein weiterer Unterstuetzer der "Can-muss-nach-Bollywood"-Initiative aeussert sich hier:
http://www.youtube.com/watch?v=UcpDBrPiqJ0

Mal sehen, wie ihr mit seinem Englisch zurechtkommt.

Thursday, September 6, 2007

Gegen den Strom

Eine Rikshafahrt durch Delhi. Ob man mit oder gegen den Verkehrsfluss faehrt, interessiert hier niemanden. Hauptsache man kommt durch. Seht selbst unter:
http://www.youtube.com/watch?v=iM8_bi_tAvg